Wolfis und Jörgls Schwarzer Blues
Österreichs Regierung 2000

Wolfgang Schüssel sagte sich:
"Der Vize ist nicht gut für mich!
Ein übler Klub sind doch die Roten,
deshalb muss ich sie ausbooten.
Zwar ham' ma gut verteilt die Pfründe,
doch gibt es hundert andre Gründe,
dass die schwarz-rote Koalition ich sprenge,
als Vize fühlt man doch die Enge.

    Auch Aussenminister ist nicht das Wahre.
    Man reist herum, kriegt graue Haare.
    Mit den Roten zu regieren
    und dann die Wahl verlieren!
    Dritte sind wir gar geworden!
    Verscheucht von Haiders Horden.
    Deshalb muss ich Bundeskanzler werden,
    bringt's auch mancherlei Beschwerden.

      Zur Partnerwahl - bin ich nicht schlau?
      mit Haider Jörgl mach ich blau.
      Herr Görg, Fürst Wendelin, nur nicht gefackelt!
      Jetzt wird mit Jörg und Prinzhorn fest gepackelt.
      Die Brüder sind zwar angebräunt
      und wenn die rote Presse schäumt,
      da bind ich um ein neues Mascherl,
      mit gleichen Taschentuch im Westentascherl.

        Der Klestil macht ein langes G'sicht,
        doch der fallt gar nicht ins G'wicht.
        Zwar hat einen Wisch er unterschreiben lassen,
        er ist halt recht naiv, ist ja kaum zu fassen.
        Dass Westenthaler, Haider und Konsorten,
        sowie die andren blauen Herden,
        sich daran gütig halten werden,
        bezweifelt man an manchen Orten.

          Das ist ja wurscht, die Leut' werd'n sehn
          mit Kanzler Schüssel wird es gehn.
          Ministerien werd ich gut verteilen.
          Nur müssen wir uns doch beeilen.
          Die Blauen krieg'n die ärgsten Posten,
          das lass' ich mich was kosten.
          Vize, Finanz, Justiz und Militär,
          geb' ich liebend alle gerne her.

            Viel Blödsinn red't daher der Haider,
            nicht zu halten ist er - leider.
            Bettina Ferrero-Waldner ist sehr klug,
            im Regierungsschiff sitzt sie am Bug.
            Wenn ich den Jörg nur könnte zügeln!
            Sie muss das alles nun ausbügeln.
            Er redt' und redt', es ist zum Kotzen.
            In Brüssel muss Bettina da wieder lotsen!

              Vierzehn Länder Europas uns beschiessen,
              der Jörgl tut Öl auf's Feuer giessen.
              Zu allem Überfluss sind seine Leute Nieten.
              Selbst Klestil liess sich das nicht bieten,
              hat drei Mann flugs hinausgeschmissen,
              doch Haider - da ist er ganz verbissen -
              hat neue Leute hervorgekehrt,
              sind alle drei auch nicht viel wert.

                Jung sind die Haider-Buberln alle.
                Ich geh jedoch nicht in die Falle,
                sie ganz allein zu lassen,
                das tät' ihnen so passen.
                Ein geübter Schwarzer an der Seite,
                verhindert dann die Pleite.
                Die alten Hasen hab ich mir behalten,
                die werden den Laden schon verwalten.

                  Ich hab ja da mein Hausquartett,
                  Frau Gehrer war immer schon im Kabinett,
                  auch kompetent und kennt sich aus,
                  genau wie Bartenstein, der ist vom Haus.
                  Strasser ist zwar neuer Mann,
                  in Sankt Pölten zeigt' er was er kann.
                  Der Molterer ist ein Bauernsohn,
                  schon lang da, kenn' ich schon.

                    Der Grasser ist kaum 30 Jahre alt,
                    Werd'n sehn wie der die Finanzen halt'.
                    Beim Stronach hat er viel gekriegt,
                    der Ministerg'halt war ihm zu schlecht,
                    doch Jörgl hat ihn dann gerügt.
                    Das g'schieht dem Grasser recht.
                    Die Krankenkassen sind zwar a G'fahr.
                    Doch da geht es noch wunderbar.

Und wie werden wir die Renten retten?
Mit Opposition vom Gewerkschaftsbund?
(Verzetnig ist ein sturer Hund.)
Wenn die nur unterschrieben hätten,
als Klima noch mit uns verhandelt',
mit dem ist er ja verbandelt.
So ist ja die alte Koalition geplatzt.
Dass Verzetnig meinen Plan mir nicht verpatzt!

Die Passer-Susi ist nicht schlecht,
Sie spricht sehr gut und ist sehr schön
eine Zierde für ihr Geschlecht.
Energisch ist sie ausserdem.
Dem Jörgl wird sie zwar fehlen,
jedoch das sollte mich nicht quälen.
Eine Zugereiste ist sie zwar,
In Braunau noch geboren gar!

      Ein Bürscherl ist der Scheibner auch,
      doch die Generäle lieg'n am Bauch.
      Unteroffizier war er noch vor an Jahr,
      jetzt ist er der Minister gar.
      Mit uns'rer brillanten Verteidigung,
      für ein' ander'n wär's a Beleidigung.
      Ob das gut wird geh'n,
      das werden wir später seh'n.

        Frau Sickl als Sozial-Oma ist nicht übel.
        Dem Haider ist sie recht gewogen,
        doch ist einmal sie schon umgebogen,
        ein ex-grüner Fleck, kein blaues Bübel.
        Professor Waneck ist ja ein gesetzter Mann
        als Radiolog er vieles kann.
        Der kennt im Spital die Betten.
        Er wird die Krankenkassen retten.

          Den Westenthaler hab ich mir erspart.
          Dass der den Nationalrat nicht verfahrt!
          Als Klubobmann der Blauen
          kann er nun auf die Pauke hauen.
          Das selbe mit dem blauen Milliardär,
          Prinzhorn red't zwar viel daher.
          Mit Jörgl hat er sich schon oft gestritten.
          Um gute Ratschläg lässt er sich nicht bitten.

            Ich hab sogar an Steirer-Buam
            im Kabinett kann er nix vertuan.
            Für Verkehr und Wissenschaft
            ein Architekt ist nicht ekelhaft.
            Der ist gar nicht mehr so jung
            und bringt die Truppe in den Schwung.
            "Infrastruktur" heisst das jetzt.
            Michael Schmid hab ich da hingesetzt.

              Dass die Professoren da nicht meutern,
              sonst könnt die Koalition daran scheitern.
              Doch Pröll, der Esel, kann nicht kuschen,
              muss ihm ins Handwerk pfuschen.
              Woll'n doch eine Schnellverbindung.
              Ein Basistunnel wär ja eine Linderung.
              Nach Villach, Graz und Klagenfurt,
              käm dann die ÖBB im Spurt.

                Nach fünf Wochen fällt der Krüger um!
                Ein solcher Tepp! Es ist zu dumm.
                Einen Mercedes wollt' er nicht,
                ein BMW war ihm auch zu schlicht!
                An Jaguar woll' er als Minister-Wagen.
                Er lag mir immer schon im Magen.
                Jörg hat nun seinen Anwalt vorgeschickt,
                Böhmdorfer ist ja recht geschickt.

                  Doch plötzlich war der Jörgl sauer.
                  Nach Kärnten hat er sich zurückgezogen,
                  am Wörthersee liegt er auf der Lauer.
                  Dass er nix sagt, das wär' gelogen.
                  Hat doch so vieles schon versprochen.
                  Ein jedes Dirndl - kriegt's ein Kind -
                  der Mutterscheck kommt dann geschwind'.
                  nur mit dem Budget ist das leicht gebrochen.

                    Roter Chef ist der Klima nimmer,
                    nicht dass ich mich darum kümmer'.
                    Der Vorsitz in nun endlich frei.
                    Kostelka ist auch nur Nummer zwei,
                    Gusenbauer ist der grosse Meister.
                    Die Sozis brauchen a Menge Kleister!
                    Um die Löwelstrasse zu erhalten,
                    haben's rausgeschmissen die Alten,
                    Schlögl, Klima und den Einem,
                    nachweinen werd' ich keinem.

                      Bei den Grünen hat Van der Bellen
                      noch am meisten zu bestellen.
                      Er ist sehr g'scheit und nicht rabiat.
                      Dass die Opposition wenigsten an G'scheiten hat.
                      Das LIF ist zwar in Agonie
                      und ohne Heide Schmidt
                      (ich mochte sie ja nie)
                      macht Köck das jemals wieder fit?

                        In ein paar Monat ist der Lärm vorbei
                        die Keiferei ist mir schon einerlei.
                        Nicht dass ich wünsch, dass Jörg im See ertränke,
                        - wenngleich das mich nicht besonders kränke.
                        A Ruh' möcht' ich von seinen Sprüchen,
                        dass ich mich nicht mehr muss verkriechen.
                        Die Österreicher wer'n sehn, der Schlüssel
                        als Bundeskanzler ist der Schüssel.

                          Doch werd'n das die anderen glauben?
                          Wenn mir der Haider nur wär aus den Augen!
                          Ich hab' eine Idee, mir fällt was ein!
                          Das könn' die Lösung des Problemes sein.
                          Als Botschafter nach irgendwo!
                          Nach Samoa, Vanuatu oder Borneo.
                          Bettina weiss vielleicht a ruh'ge Ecken
                          wohin man Haider könnte stecken!"

      Bures-sur-Yvette (Frankreich), im April 2000
      Willi G.

      Unter Nr. 699 auf www.raketa.at veröffentlicht und im Archiv der Web-Seite auffindbar.